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Mantren | Galerie


Das Gāyatrī-Mantra

om bhūr bhuvah svah
om tat savitur varenyam
bhargo devasya dhīmahi
dhiyo yo nah pracodayāt

(OM BHUR BHU-WA SWA-HA
TAT SA-WI-TUR WA-REN-JAM
BAR-GO DE-WAS-JA DI-MA-HI
DI-JO JO NA PRA-DSCHO-DA-JAT)

Om (Brahman), der die äußere, innere und innerste Welt durchdringt,
wir bitten um/ meditieren über das göttliche Licht
des verehrungswürdigen (Sonnen-) Gottes.
Möge er unseren Verstand erleuchten.

AUDIO Gāyatrī-Mantraa Version 1 (Stephan)

AUDIO Gāyatrī-Mantraa Version 2 (Regina)

Handout Gāyatrī-Mantraa (PDF)

Das Gāyatrī-Mantra ist das angesehenste und wichtigste unter allen Mantren. Nach vedischer Kosmologie gibt es sieben Lichtsphären, die in immer größerer spiritueller Vollkommenheit aufeinander aufbauen, wobei die Erde die unterste darstellt. Jede dieser Sphären verfügt über ein unverwechselbares Schwingungsmuster, das in einem einzigen Wort komprimiert enthalten ist. Rezitiert man dieses Wort, verbindet man sich nach der Überlieferung mit dem darin enthaltenen Schwingungsmuster und der entsprechenden Sphäre. Die Sanskritworte dieses Mantra enthalten die essenzielle Schwingung aller sieben Lichtsphären. Es ermögliche den Menschen geistige Entwicklung bis zur Erleuchtung. Es soll das prāna aufladen und dazu dienen, negatives Karma aufzulösen, zu schützen und zu reinigen. Von dem Mantra gibt es längere und kürzere Varianten. Als "Entdecker" dieses Mantra gilt Vishvamitra. Es gibt verschiedene Versionen seiner Geschichte, u.a. einige, in denen die beiden Hauptprotagonisten nicht gerade zimperlich miteinander umgehen. Die folgende Version hat dagegen schon fast etwas Märchenhaftes:

Vishvamitra war König seines Landes und hatte wie alle Herrscher immer wieder mit Problemen zu kämpfen. So sorgten beispielsweise ungünstige Witterungen für Missernten, sodass sein Volk hungerte. In diesen Zeiten nahm er seine Pflichten besonders ernst. Auch wenn er seine Schwächen hatte, war er im Grunde ein aufrichtiger Mensch und versuchte nie, seine Macht zu missbrauchen.
Als die Ernte wieder einmal schlecht war, zog Vishvamitra mit seinem Gefolge für ein paar Tage in den Wald um zu jagen und nachzudenken. Wie es der Zufall wollte, kamen er und seine Soldaten dabei an der Klause des berühmten und mächtigen Brahma-Rishis Vasishta vorbei. Ein Brahma-Rishi ist eine Weiser höchster Ordnung, ein Mensch, der das größtmögliche Wissen in menschlicher Form erreicht hat.
Als Vishvamitra an der bescheidenen Meditationshütte des Weisen vorbeikam, trat dieser heraus, begrüßte den König und sein Gefolge herzlich und lud sie zum Essen ein. Der König, um das Wohl des Weisen bedacht, antwortete, dass er und sein Gefolge zu viele seien, und der Rishi in diesen mageren Zeiten lieber sparsam mit seinen Nahrungsmittelvorräten umgehen solle. Doch Vasishta meinte, dies sei kein Problem. Er führte eine Kuh an der Leine nach vorn und befahl ihr, sie solle für den König und sein Gefolge reichlich den Tisch decken. Sofort waren Tischdecken auf dem Boden ausgebreitet, und darauf stand ein üppiges Mahl, das für alle reichte. Der König staunte nicht schlecht. Der Rishi bat den König neben ihm Platz zu nehmen und sie begannen das Mahl.
Beim Essen erzählte der König dem Rishi von seinen Sorgen, und auch von den Problemen aufgrund der akuten Hungersnot. Er erklärte dem Weisen, wie schwer es sei, bei diesen Missernten das ganze Volk zu ernähren. Und dass die Kuh, die alles gibt, den Menschen doch viel nützlicher sein könnte, wenn sie im Besitz des Königs wäre. Und er bat Vasishta, ihm die Kuh zu überlassen.
Der Weise nickte zustimmend und pflichtete den aufrichtigen Absichten des Königs bei. Doch könne er Vishvamitra die Kuh nicht überlassen, weil ein so magisches Tier nur bei einem Brahma-Rishi seinen Platz hätte.
Der König wurde fordernder. Notfalls müsse zur Bekämpfung des Hungers hart durchgegriffen werde, und er könne veranlassen, die Kuh zu konfiszieren. Vasishta seufzte nur.
Als der Weise dem König keine Antwort gab, befahl der König seinen Soldaten die Kuh zu ergreifen. Aber als die Männer auf das Tier zugingen murmelte Vasishta ein paar Worte auf Sanskrit und sie lief schnell davon. Jetzt wurde der König böse und sagte, wenn der Weise nicht nachgebe, ließe er ihn gefangen nehmen. Vasishta seufzte wieder nur. Als die Soldaten ihn festnehmen wollten, hatten sie dabei ebenso wenig Erfolg wie mit der Kuh, denn der Weise verschwand jedes Mal, wenn sie sich ihm näherten und tauchte an anderer Stelle wieder auf. Da wurde der König zornig und rief, er lasse den Weisen töten, wenn er nicht einlenkte. Doch Vasishta seufzte wieder nur. Da ließ der König seine Bogenschützen antreten und auf Vasishta schießen. Doch der Weise hob nur seinen Stock, und alle Pfeile schossen hinein und waren verschwunden. "Soll ich auch Deine Bogenschützen verschwinden lassen?" fragte er den König.
Vishvamitra erkannte seine Niederlage und kehrte mit seinen Männern in den Palast zurück. Doch innerlich kochte er vor Wut. Der Weise und seine Kuh gingen ihm nicht mehr aus dem Kopf. Vasishta hätte ihm die Kuh geben müssen, er hatte sich illoyal verhalten. Vor allem aber war Vishvamitra neidisch. Er war zwar König, doch war es Vasishta, der wirkliche Macht hatte. In seiner Verbitterung und seinem Neid beschloss er, die gleiche innere Macht zu entwickeln wie Vasishta und ihn mit seinen eigenen Waffen zu schlagen.
Vishvamitra verließ sein Königreich und zog sich in die Berge zurück, um sich der Meditation und Konzentrationsübungen zu widmen. Er wollte um jeden Preis die gleichen Kräfte erwerben wie Vasistha und die Kuh in seinen Besitz bringen.
Nach einigen Jahren waren seine Disziplin und Entschlossenheit so groß geworden, dass man in den höheren spirituellen Sphären auf ihn aufmerksam geworden war. Indra, das Oberhaupt der Himmelsbewohner, machte sich Sorgen, dass ihn Vishvamitra eines Tages von seinem Platz verdrängen könnte wenn er weiter solche Fortschritte machte. Daher beschloss er ihn abzulenken und schickte die wunderschöne Nymphe Menaka zu ihm, die derlei Aufgaben gern erfüllte.
Als Vishvamitra wie gewöhnlich in tiefer Versenkung meditierte, hörte er plötzlich feines Glockengeläut. Erst versuchte er nicht darauf zu achten, doch dann konnte er nicht widerstehen und öffnete ein Auge. Mit diesem Anblick hatte er nicht gerechnet, denn vor ihm stand eine wunderschöne Frau. Gekleidet in einen bunten Sari spielte sie die Zimbeln und tanzte kunstvoll dazu. Vishvamitra öffnete sein zweites Auge, und die Frau lächelte ihn strahlend an. Seine Mediationslust war schlagartig verschwunden. Die Frau setzte sich zu ihm und fragte: "Wie heißt du, schöner mächtiger Mann?" Da war es um ihn geschehen. Er war völlig verliebt und hatte alles Andere vergessen, seine Meditationen, den Weisen Vasishta, seine Rachegedanken, die Kuh.
In den folgenden zwei Jahren schliefen und schäkerten die beiden miteinander, und Indra war sehr froh, dass sein Ablenkungsmanöver so gut geklappt hatte. Eines Tages jedoch erinnerte sich Vishvamitra an seine Meditationspraxis, und er sagte zu Menaka, er wolle sich für eine Weile zum Meditieren zurückziehen. Da wurde Menaka wütend und sagte, wenn er das tue, würde sie ihn für immer verlassen. Vishvamitra staunte. So aufgebracht hatte er Menaka noch nie gesehen. Er versuchte ihr zu erklären, dass es nur für ein paar Stunden wäre, doch Menaka wollte sich nicht beruhigen. Da wurde Vishvamitra misstrauisch und begann ihr Fragen zu stellen. Woher sie kam? Was sie so allein in den Bergen gemacht hätte? Da erkannte Menaka, dass sie ihn nicht mehr in der Hand hatte und löste sich in einer Rauchwolke auf. Vishvamitra war ziemlich erschrocken. Was war nur passiert? Wer war sie? Und wie konnte er nur seine spirituellen Ziele völlig vergessen? Nun fiel ihm alles wieder ein, Vasishta, die Kuh, sein Neid.
Fest entschlossen stieg er noch weiter den Berg hinauf und widmete sich intensiver der Mediationspraxis. Nach einigen Jahren hatte er große Fortschritte gemacht und seine früheren Fähigkeiten weit übertroffen. Er konnte sich nun ungestört konzentrieren und tief über jedes Thema nachdenken.
Indra machte sich erneut Sorgen um seine Position. Und weil er meinte, was einmal geklappt hatte, würde auch ein zweites Mal klappen, schickte er eine andere bezaubernde Himmelsbewohnerin zu Vishvamitra, um ihn abzulenken. Als Vishvamitra diesmal wieder das feine Klingeln der Zimbeln vernahm, ließ er sich nicht irritieren. Doch die Nymphe kam näher und bedrängte ihn. So sehr, dass er darüber in Wut geriet und einen Fluch ausstieß, der sie in einen Felsen verwandelte. Darüber verlor Vishvamitra einen Großteil seiner erworbenen spirituellen Kraft, und er merkte sofort, dass er sich nicht mehr in gleicher Weise versenken konnte wie zuvor. Seine Erkenntniskraft hatte nachgelassen, er war von den erreichten Höhen herab geglitten. Enttäuscht und wütend über sich, doch noch immer wild entschlossen stieg er noch weiter den Berg hinauf und vertiefte sich noch intensiver in seine Übungen.
Zur gleichen Zeit hatte in einem nahen Königreich der König Trishanku das Ende seines Lebens erreicht. Er hatte stets weise regiert, ein tugendsames Leben geführt und war seinem Volk ein guter und weiser König gewesen. Nun wünschte er sich in seinem Körper in den Himmel aufzusteigen. Er ließ Brahma-Rishi Vasishta zu sich rufen und trug diesem seine Bitte vor. Doch Vasishta lehnte ab: "Es wäre gegen das göttliche Gesetz. Bitte, verlange etwas anderes von mir."
Als Vasishta gegangen war, erzählte ein Bettelmönch dem König, dass in den Bergen ein neuer mächtiger Weiser meditiere. Der König schickte den Bettelmönch, diesen mächtigen Weisen zu bitten, für ihn die Feuerzeremonie durchzuführen, damit er noch zu Lebzeiten in den Himmel aufsteigen könne.
Als der Bettelmönch zu Vishvamitra kam, war dieser in tiefer Versenkung. Da der Mönch wusste, dass Vishvamitra ihn dennoch hören würde, trug er ihm die Bitte des Königs vor. Vishvamitra reagierte nicht. Da erwähnte der Mönch noch, dass es Brahma-Rishi Vasishta nicht möglich gewesen sei, die Zeremonie durchzuführen. Das genügte. Vishvamitra erkannte, dass das eine Gelegenheit war Vasishta zu schlagen. Er kam aus seiner Mediation heraus und erklärte sich bereit dem König zu helfen, in den Himmel aufzusteigen.
Am Königshof wurde Vishvamitra mit viel Pomp empfangen. Er machte sich sofort an die Arbeit, die dreitägige Zeremonie vorzubereiten, und konnte den Tag kaum erwarten, an dem er Brahma-Rishi Vasistha bloßstellen würde. Am dritten Tag begann Vishvamitra mit den entscheidenden Riten. Nach einigen Stunden begann der König von seinem Sitz abzuheben und in den Himmel zu schweben. Immer höher und höher, bis er kaum noch zu sehen war.
Da bemerkte Indra den König. Er berief sich auf das göttliche Gesetz, dass kein Sterblicher lebend in den Himmel aufsteigen dürfe und ließ den König kopfüber abstürzen. Hinter dem Machtwort Indras stand das göttliche Gesetz. Als Vishvamitra den König fallen sah, erschrak er. Viele hundert Menschen, die sich zu diesem Schauspiel versammelt hatten, würden sehen wie er versagte. Damit wäre er für immer erledigt. Er musste schnell etwas tun.
Da kam ihm eine Idee. Er hob seine Hand und unter Aufbietung all seiner Kräfte befahl er donnernd, dass der Körper des Königs stillstehen soll. Die Macht seiner spirituellen Übung verschaffte seinen Worten Geltung, der Körper des Königs hielt im Fallen inne und bewegte sich nicht mehr. Er konnte weder aufsteigen, weil das gegen das göttliche Gesetz war, noch konnte er fallen, weil der Befehl Vishvamitras dagegen stand. Durch diesen himmlischen Kompromiss war ein neues Sternbild geboren, das nach dem König Trishanku benannt wurde.
Vishvamitra ärgerte sich. Er war zwar einer Katastrophe entkommen, aber wegen seiner Launen hatte er wieder einen großen Teil seiner spirituellen Kraft verloren. Doch er war noch immer wild entschlossen. Er zog sich weit in die Berge zurück und vertiefte sich noch intensiver in seine spirituellen Übungen.
Irgendwann wurde Brahma, der Schöpfer, auf Vishvamitras unermüdliches Streben aufmerksam. Er war so angetan von Vishvamitras Fleiß, dass er ihn segnete und ihm den Titel Maha-Rishi verlieh, das bedeutet "großer Weiser". Und er teilte Vishvamitra mit, dass er, um ein Brahma-Rishi werden zu können, den Segen des Brahma-Rishi Vasishta erbitten müsse.
Da wurde Vishvamitra wütend. All die Jahre hatte er sich anstrengenden spirituellen Übungen unterworfen, nur um dann von Brahma selbst den Namen seines Rivalen Vasishta ins Gesicht gesagt zu bekommen. Es musste etwas geschehen. Und in seiner Wut beschloss er, Vasishta umzubringen.
Vasishta war gerade in seiner Hütte im Gespräch mit seiner Frau Arundhati, als Vishvamitra bei der Hütte ankam. Er nahm einen Stein und schlich sich an die Türe, um Vasistha zu erschlagen, sobald dieser aus der Hütte kam. Jetzt konnte er genau hören, was drinnen gesprochen wurde.
Arundhati sagte: "Er ist so hervorragend geworden. Es ist nur recht, dass Du ihn segnest." - "Du hast recht. Ich werde ihm meinen höchsten Segen geben." Vishvamitra wunderte sich, über wen sie wohl sprachen. "Wirst Du ihn zu einem Brahma-Rishi machen?" fragte Arundhati. "Auf jeden Fall!" antwortete Vasishta energisch. "Er hat alle Prüfungen bestanden. Trotz aller Schwierigkeiten hat er durchgehalten. Zu Anfang trieb ihn Neid und Rachsucht. Dann überwand er diese negativen Eigenschaften. Er ließ sich von Wollust ablenken, doch er kehrte zu seiner Meditationspraxis zurück. Er wollte mich aus selbstsüchtigen Motiven heraus vor König Trishanku blamieren, und kehrte dennoch um. Brahma selbst hat ihn gesegnet. Er ist bereit für die höchste Erleuchtung. Er braucht nur noch vor mir niederzuknien, dann werde ich ihm mit Freuden segnen und den Rang eines Brahma-Rishi übertragen."
Diese Worte trafen Vishvamitra mitten ins Herz. Er war beschämt. Und als er über seine negativen Eigenschaften nachdachte, erkannte er, dass Brahma-Rishi Vasishta es war, der ihn angetrieben hatte jene höchsten Erkenntnisse und Fertigkeiten zu erlangen. Jetzt erkannte er auch, warum die Macht, jeden Wunsch zu erfüllen, nur bei einem Brahma-Rishi liegen durfte, der so abgeklärt war, dass der richtige Umgang damit gewährleistet war. Er verstand nun, warum Vasistha ihm die Kuh nicht überlassen hatte. Es wäre völlig unverantwortlich gewesen.
Aus Abscheu vor seiner eigenen Arroganz und Schlechtigkeit begann Vishvamitra sich mit dem Stein den Schädel einzuschlagen. Vasishta und seine Frau vernahmen das Geräusch und eilten aus der Hütte um zu sehen, woher es käme.
Als Vasishta Vishvamitra mit blutigem Kopf erblickte, griff er sofort ein. "Was tust Du da? Halt ein!" Da brach Vishvamitra in Tränen aus, bat um Vergebung für seine schlechten Absichten und Fehler und fiel vor Vasishtas Füßen nieder. Da sprang von dessen Füßen göttliche Kraft auf ihn über, durchströmte ihn vollkommen und er erlangte spontanes Samadhi. Überglücklich richtete er sich auf, und hörte geheimnisvolle Laute. Es waren die Silben des Gāyatrī-Mantra, die ihm Brahma selbst offenbarte. Vishvamitra war zum Seher dieses Mantra geworden, das die Schwingungen aller sieben Lichtsphären in sich birgt.